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Das Prinzip der wiedergeborenen Kraft im Wing Tsjun

Mehr als die meisten anderen Kampfstile ist Wing Tsjun ein System, dass auf Prinzipien beruht. Dieser Umstand versetzt Anfänger relativ schnell in die Lage, das Gelernte in einer Sparringssituation umzusetzen und macht sie dadurch sehr schnell verteidigungsfähig.

Da das Verinnerlichen der Konzepte nahezu genauso wichtig ist wie die  Technik selber, hat der Anfänger so sogar dann noch die Möglichkeit sich effektiv zu wehren, wenn auch die eine oder andere Technik nicht 100%ig korrekt ausgeführt wird (was kein Aufruf zur Vernachlässigung von technischem Training sein soll). Doch das Wundermittel, das zu diesem rasanten Erlangen von Selbstverteidigungsfähigkeit führt, bleibt definitiv das Konzept hinter der Technik, durch welches diese ihre Effektivität und Einfachheit erlangt.

Heute möchte ich gerne in das Prinzip der "wiedergeborenen Kraft" einführen.

Stell dir eine Stahlfeder vor, die du zwischen Daumen und Zeigefinger eindrückst. Die Feder gibt deinem Druck zwar nach (stirbt also), bleibt dennoch mit Druck geladen und sobald du die Finger öffnest, springt sie dir mit aller Kraft entgegen (wird also wiedergeboren).

So einfach dieses Prinzip auch zu verstehen sein mag, so effektiv kann es bei einer Verteidigung auf der Straße umgesetzt werden.

In den folgenden Fotoserien werden mein Team und ich einige Übungen zum Erlangen der Flexibilität / Elastizität und zur Entwicklung der nötigen Spannung demonstrieren, die du brauchen wirst, um dieses äußerst wichtige Konzept mit in dein Training einfließen zu lassen.

Außerdem werden wir dir verschiedene Beispiele geben, wie das geübte Prinzip in diversen Anwendungen aussehen könnte.

 Bitte trainiere die gezeigten Techniken nur in aufgewärmtem Zustand und sei vorsichtig beim Üben. Die Techniken haben es in sich!

Dai-Sifu Thommy Luke Boehlig

 

 

Sifu Böhlig bringt seinen Arm in die Maan-Sao-Position aus der Chum Kiu Form
Sifu Martin Pascual grieft den Arm am Handgelenk und drückt ihn nach unten - Bong Sao entsteht
Sifu Böhlig´s Arm hält Spannung in Richtung der Ausgangsposition während er nachgibt (wie der Ast eines Baumes der verformt wird)
Da Sifu Martin Pascual´s Druck nach unten geht und nicht GEGEN Sifu Böhlig´s Körper, intensiviert dieser die Spannung in seinem Ellebogengelenk um in Schulterhöhe zu bleiben. Dennoch gibt er mit seinem Handgelenk weiterhin nach
Sifu Martin-Pascual verliert den Halt und Sifu Böhlig´s Hand (immer noch unter Spannung) schnellt nach oben und trifft den gegnerischen Hals
Nach dem Treffer kehrt Sifu Böhlig´s Hand in die Ausgangsstellung zurück

Anwendungen des Prinzips der wiedergeborenen Kraft gegen einen Außenblock mit anschließendem Schlag zum Hals

Sifu Boehlig steht in der Man Sao - Wu Sao Position
Sifu Martin Pascual blockt den vorderen Arm des Verteidigers zur Seite. Bong Sao entsteht
Der Weg ist frei für weitere Aktionen. Sifu Martin Pascual ist völlig ungeschützt

Anwendungen des Prinzips der wiedergeborenen Kraft gegen einen Innenblock mit anschließendem Schlag zum Hals

Sifu Boehlig steht in der Man Sao - Wu Sao Position
Beide Arme Sifu Boehlig´s finden zur gleichen Zeit ihr Ziel
Nun ist der Weg frei für weitere Aktionen. Sifu Martin Pascual ist völlig ungeschützt

Anwendungen des Prinzips der wiedergeborenen Kraft gegen einen Schlag zum Hals

Beide Gegner stehen in der Man Sao - Wu Sao Position
Sifu Martin Pascual´s angreifende Kraft verformt Sifu Boehlig´s Arm in Bong Sao
Sifu Boehlig bewegt seinen Gegner fort von der angegriffenen Zentrallinie und gibt mit seinem Bong Sao nach
Daduch schlägt Sifu Martin Pascual ins Leere und entspannt damit Sifu Boehlig´s spannungsgeladenen Arm